Kennen Sie die deutsch-französische Parlamentarische Versammlung?

Wir fassen für Sie einen Kommentar von Frankreich-Korrespondentin Michaela Wiegel, erschienen in der FAZ am 23.01.2021, zusammen.

Gegründet wurde dieses Gremium, das aus je 50 französischen und deutschen Parlamentariern besteht, im März 2019. Es hat beratende Funktion und erarbeitet Vorschläge zur Förderung der deutsch-französischen Zusammenarbeit.

Michaela Wiegel sieht das Gremium als „Antriebswelle des deutsch-französischen Motors“. Zum Beispiel forderte man mit Erfolg den Ausbau der Zugverbindungen zwischen beiden Ländern ein, insbesondere auch durch Nachtzüge, sodass es ab 2023 heißen kann: „Abends in Berlin einschlafen, morgens in Paris aufwachen“.

Während der Pandemie setzt sich die Parlamentarische Versammlung mit Nachdruck gegen Grenzschließungen ein. Sie kritisierte die Einschränkungen vom Frühjahr 2020, als es plötzlich wieder Schlagbäume zwischen den beiden Ländern gab. Mehr Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Pandemie wird ebenfalls eingefordert.

Eigentlich war für Anfang des Jahres eine Zusammenkunft der Parlamentarier in Versailles geplant, was aber wegen der Pandemie nicht möglich ist. Dennoch zeigt schon das Vorhaben einen starken Willen zur Annäherung; die Erinnerung an das Jahr 1871, in dem Wilhelm I. von Preußen sich in Versailles zum deutschen Kaiser ausrufen ließ, sei „nicht mehr von Ressentiments gegen die Deutschen geprägt“, so Wiegel. Sie zitiert eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop, wonach 82 % der Franzosen ein positives oder sehr positives Deutschlandbild haben. Die Aufnahme französischer Patienten in deutschen Krankenhäusern während der Pandemie sowie die Einigung auf den europäischen Wiederaufbaufonds mögen dabei auch eine Rolle spielen.

Und so kann Michaela Wiegel die erfreuliche Schlussfolgerung ziehen:

„Aus Erbfeinden sind längst Erbfreunde geworden“

Karin Neubarth-Raub

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